Kennst Du die Angst am Sonntagabend?  Welche Angst haben Sie vor der Arbeitswoche?

Morgen ist nämlich Montag und die Arbeitswoche startet wieder.

Obwohl Du gerne arbeitest, zeigt ein beklemmendes Gefühl und ein Ziehen in der Magengegend an, dass Du Dich gedanklich und emotional schon wieder auf den ersten Arbeitstag vorbereitest. Die Stimmung kippt und der Sonntag ist damit nicht mehr so erholsam wie er sein sollte.

Erschreckend – dieses Gefühl und die schlechte Stimmung breitet sich auf die ganze Familie aus.

Die Gründe für die Angst vor der Arbeitswoche sind vielfältig und individuell. Diese reichen von Überlastung des Einzelnen in seinen Aufgaben und seinem Verantwortungsbereich. Über den eigenen Qualitätsanspruch oder auch überhöhte Ansprüche anderer, die in Teilen tatsächlich nicht erfüllt werden können. Bis zu sehr fordernden Führungskräften oder auch Kunden, die schnellere und detailliertere Ergebnisse erhalten möchten. Oft ist es auch die Kombination aus allem. Die Gründe sind also vielfältig und nicht immer eindeutig zu benennen. Auch Du kannst dies wohlmöglich gar nicht eindeutig belegen. Oft jedoch stecken die eigenen hohen – zu hohen – Erwartungen an sich selbst dahinter.

Dazu zählt der Ansporn fehlendes Wissen so schnell wie möglich aufgebaut zu haben, überall mitreden und qualifizierte Antworten geben zu können, obwohl man neu in der Thematik ist. Oder trotz offensichtlichem Mismatch der eigenen Skills zu den gestellten und erwarteten Aufgaben setzt Du dennoch alles daran, diese Aufgaben erfolgreich auszufüllen. Dein Anspruch die Position so gut wie möglich auszufüllen und der steigende Druck, die Ergebnisse zu liefern, vermindern den Blick und die Achtsamkeit dafür, über seine Situation und seine Gründe offen zu reden. Und es ist auch klar, dass jeder einen Gesichtsverlust vermeiden möchte. Insbesondere in Projekten und in der Zusammenarbeit mit anderen Dienstleistern oder einem politischen Umfeld ist der Versuch, seine Lücken oder auch Schwächen bestmöglich zu verbergen noch ausgeprägter.

Eine angespannte Situation kann nicht lange ausgehalten werden

Lange kann diese Gefühlslage nicht ausgehalten werden. Eine Angst vor der Arbeitswoche bleibt. Es kommt der Zeitpunkt, über sich selbst und seine Situation zu reflektieren und die Lage nüchtern – soweit man dies kann – zu betrachten. Auch aus Gesprächen mit seinem Partner, seiner Familie oder Freunden erkennst Du schnell, dass dieser Job Dich mehr belastet als glücklich macht. Dann ist es wichtig, seine eigene Lage und insbesondere seine Gefühle wirklich wahrzunehmen und sein Wohlbefinden besser gesagt sein Unwohlsein auch tatsächlich zu akzeptieren. Ausgelöst wird das Unbehagen in allererster Linie von Erwartungen. Sei es von den eigenen hohen Ansprüchen an sich selbst oder den meist unausgesprochenen und vermeintlich selbst interpretierten Erwartungen des Umfeldes. Seine eigene Sicht der Lage wird auf den oder die anderen projiziert. Die Gedanken werden immer düsterer und die Ergebnisse (gefühlt) immer schlechter. Eine Abwärtsspirale im Kopf entsteht, mit spürbaren Auswirkungen auf den Körper.

So banal dies nun klingt, Erwartungen kann man eben nur erfüllen, wenn man miteinander spricht und diese klar und ehrlich kommuniziert.

Ein persönliches Gespräch ist der erste Schritt

Der erste Schritt ist daher, ein direktes Gespräch mit seinem Vorgesetzten zu suchen. Dies braucht Mut, aber hilft sehr. Offen und ehrlich zu erläutern, was einen beruflich irritiert und welche Sichtweise man auf die aktuelle Situation hat. Verbunden mit möglichen Vorschlägen, wie diese Situation geändert oder verbessert werden kann. Der Wunsch ist nun, dass die eigenen Gedanken direkt aufgegriffen werden und sich ein intensiver und ehrlicher Austausch im Anschluss daran ergibt. Das Ziel ist zuallererst die vermeintlich unterschiedlichen Wahrnehmungen aufeinanderzulegen und ein gemeinsames Verständnis zu schaffen. Damit erreichen wir, dass die Erwartungen auf beiden Seiten klar dargestellt und mögliche Unterschiede oder Missverständnisse ausgeräumt wurden. Mit einem gemeinsamen Verständnis und offenlegen der Erwartungen ist es nun zusammen mit seinem Vorgesetzten und bei Bedarf Kollegen möglich, einen Weg zu finden, diese emotionale Talfahrt zu beenden und wieder mit Selbstsicherheit und Produktivität in die Aufgaben zu gehen.

Soweit der positive Verlauf.

Vorgesetzten fehlt es oft an Verständnis für eine Angst vor der Arbeitswoche

Im schlechtesten Fall ist kein fassbares Verständnis zu erkennen oder zu erleben und der Austausch führt ins Leere. Auf Grund mangelnder Zeit und natürlich wieder hohem Druck in der eigenen Position mangelt es dann den Führungskräften an dem Verständnis für den Betroffenen. Hier zeigt sich, dass auch Führungskräfte unter Umständen in dem gleichen Dilemma stecken und sich auf eine neue „Baustelle“ nicht einlassen können. Oder viel schlimmer aus meiner Sicht: Sie haben kein Einfühlungsvermögen für persönliche Belange und die emotionale Bindung der Mitarbeiter. Die Reaktion fällt dann entsprechend spärlich aus. Der Betroffene steht auf der Warteliste und wird sofern keine anderen dringenden Themen auf der Tagesordnung stehen – und diese kommen ja täglich – bearbeitet.

Am Ende jedoch nützt dieses Verhalten niemanden etwas. Der Mitarbeiter ist nicht mehr motiviert und fühlt sich alleine gelassen, kündigt intern oder verlässt das Unternehmen direkt. Und die Führungskraft hat ggfs. mit unterdurchschnittlichen Ergebnissen zu kämpfen, fehlendem Einsatz und Mitarbeit oder am Ende eine echte personelle Lücke zu schließen.

Verloren haben beide. Kein gutes Ergebnis und sehr schade.

Woran liegt es nur, dass solche Beispiele oft negativ ausgehen?

Was sind Deine Erfahrungen in solchen Situationen?

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