Digitalisierung ist mehr als nur Bits und Bytes

Die Digitalisierung schafft Arbeitsplätze ab. Darüber können wir uns trefflich streiten. Ja es werden sicherlich Arbeitsplätze abgebaut aber es werden auch neue Arbeitsplätze durch die neuen digitalen Geschäftsmodelle entstehen. Ob es immer dieselben Mitarbeiter sind, die neue Jobs oder Aufgaben in der digitalen Welt finden, mag ich zu bezweifeln. Und ob gleich viele Arbeitsplätze entstehen, die durch die Digitalisierung und Automatisierung abgebaut wurden, darüber kann man ebenfalls diskutieren.

Doch wir können nicht darüber streiten, dass Unternehmen Ihre Mitarbeiter für eine erfolgreiche (digitale) Transformation brauchen. So lapidar dies auch klingen mag, so selten wird es beachtet. So mancher denkt erst an die Prozesse und Technologie, dann eventuell an die Kunden und deren Nutzungsgrad in der digitalen Welt. Jedoch kann beides nicht ohne die Mitarbeiter erfolgreich sein. Wir sollten alle daran arbeiten, dass Mitarbeiter ein bestimmender Teil der Transformation werden und dass möglichst alle unsere Mitarbeiter gemeinsam mit uns in das digitale Zeitalter wechseln. Wie können wir erfolgreich in die Zukunft starten und zusammen mit den Mitarbeitern weit vorne im Wandel stehen?

Die (digitale) Transformation braucht Offenheit

Aktuell sind Digitalisierung (wir meinen aber digitale Transformation) und auch New Work die angesagten Schlagworte für eine erfolgreiche Unternehmensführung und sicherlich in allen, oder vielen, Entscheidungsgremien das beherrschende Thema. Moderne Technologien und zudem auch moderne, neue Methoden und Tools der Zusammenarbeit und der Führung stehen heutzutage immer mit auf der Agenda. Denn aus allen Richtungen wird der Druck auf die etablierten und eingesessenen Unternehmen, aber auch auf Behörden oder staatliche Institutionen größer. Seit Jahren ist der Trend zu Digitalisierung zu spüren. Es ist eigentlich kein Trend mehr, es ist ein Muss.

Aktuelle Studien besagen jedoch, dass immer noch nicht alle Unternehmen und Entscheider auf den Zug aufgesprungen sind oder nur sehr halbherzig in Richtung digitaler Geschäftsmodelle marschieren. Dabei ist man sich gar nicht sicher, ob die Digitalisierungsstrategien der Unternehmen wirklich ihren Ausschlag in den Geschäftsmodellen finden oder nur in technologischen oder prozessualen Updates münden. Wer aber heute noch keine fortschrittliche Antwort geben kann oder möchte, der wird zwangsläufig überrannt oder auf tragische Weise dazu gezwungen. Neue Mitspieler oder mutige Konkurrenten werden schon dafür sorgen. Denn es geht eben nicht um ein technisches Update der bestehenden Prozesse, Produkte oder Dienstleistungen, sondern um die Entwicklung und Gründung komplett neuer Prozesse, Produkte oder Dienstleistungen, die den digitalen Fortschritt bereits in den Genen verankert haben. Es geht darum, dass sich die ganze Organisation anders ausgerichtet hat und sich digital denkend entwickelt. Dieser Wandel ist jedoch nicht ohne Einschnitte in den althergebrachten Denkmustern möglich. Und vor allem nicht ohne die Mitarbeiter.

Eine Digitale Transformation geht eben weiter. Es handelt sich eben nicht um ein technisches Update der bestehenden Prozesse und Abläufe. Es geht nicht nur um die digitale Verfügbarkeit von Akten und Dokumente. Es geht nicht allein um die Kommunikation über E-Mail oder Chat. Sondern um die Entwicklung und Gründung komplett neuer Herangehensweisen, Prozesse, Produkte oder Dienstleistungen, die eine digitale DNA haben. Es geht um das Mindset. Dieser Wandel braucht Einschnitte. Auch Studien unterstreichen die Notwendigkeit des Wandels. Das Tempo des Fortschritts als auch die Art und Weise, wie Innovationen entstehen, haben sich von Grund auf verändert. Die entscheidenden Schritte betreffen vor allem die Kultur und den Veränderungswillen der Unternehmen sowie deren interne und externe Kommunikation und Austausch mit anderen Partnern. Zukunftsfähige Unternehmen etablieren eine Neugierde für den Wandel und die neuen Kundenanforderungen, um schnell zu lernen und sich anpassen zu können. Und hierbei spielen die Mitarbeiter eine zentrale Rolle.

Der wirtschaftliche Vorteil hängt von gelebter Zusammenarbeit ab

Ein erfolgreiches Unternehmen wächst aus dem Glück und der Zufriedenheit der Kunden und Mitarbeiter. Eine zukunftsgerechte digitale Transformation entsteht demnach aus der Einbindung und ehrlichen Mitwirkung der Mitarbeiter. Viel zu oft wird dies aber selten verstanden. Unternehmen aber auch Berater sprechen zwar sehr oft vom notwendigen Wandel der Unternehmenskultur oder geben spezielle Schulungsangebote an Mitarbeiter aus, sobald die digitale Transformation Einzug ins Unternehmen halten soll. Doch ich glaube der Fokus liegt tatsächlich nicht immer auf den Mitarbeitern selbst, sondern vermeintlich mehr auf dem Befolgen von vorgeformten Konzepten und Methoden. Wir alle wissen, dass Digitalisierung und digitale Transformation Entwicklungssprünge sind, die durch den technologischen Fortschritt immer mehr gefordert werden. Jedes Unternehmen stellt sich sicherlich diese Frage. Im Rahmen der klassischen Change-Management Projekte wird die Digitalisierung angestoßen. Doch meist wurden vom Top Management richtungsweisende Entscheidungen bereits getroffen. Es geht dann nur noch um die Umsetzung und Bearbeitung der geplanten Aufgaben.

Gleichzeitig sehen sich Unternehmen mit neuen Trends aus New Work, neuen Arbeitsmodellen und anderen Organisationsformen konfrontiert. Es gilt den Markt- und Kundenwünschen gerecht zu werden. Die Dynamik des Marktes zeigt, dass andere Vorgehensweisen als die klassischen Management-Tools erforderlich sind. Auch die Attraktivität als Arbeitgeber hängt nicht mehr von Gehalts- oder Bonuszahlungen sondern an sinnstiftenden Tätigkeiten, einer ehrlichen Mitarbeit und dem technologischen Reifegrade des Arbeitgebers ab. Es bleibt somit noch viel zu tun für die Unternehmen.

Althergebrachte Vorgehensweisen bringen nichts mehr …

 

Umso erschreckender ist doch zu sehen, dass bei all diesen Veränderungen noch immer die Mitarbeiter nicht direkt eingebunden sind. Dieser klassische Trugschluss wird sich rächen. Spätestens wenn wir die Erfolge und Ergebnisse der Projekte aber auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter betrachten, erkennen wir, dass hier Potenzial liegen gelassen wurde. Erfolgreiche Unternehmen binden daher von Anfang an Ihre Mitarbeiter aber auch frühzeitig Ihre Kunden viel stärker ein. Sei es, dass die Fachexperten die passenden digitalen Lösungen vorgeschlagen und gemeinsam mit den IT Experten eingeführt haben; sei es, dass Lösungen die tatsächlichen Prozesse aus Bearbeiter-Sicht abbilden.

Grundsätzlich werden alle Technologien alleine die heutigen Herausforderungen und den Wettbewerbsdruck nicht lösen. Kundenbindung und marktgerechte Antworten sowie schnelle Angebote auf die Dynamik des Marktes erreichen wir eben nur mit den Mitarbeitern und deren Einsatz. Begeisterte und gut ausgestattete Mitarbeiter helfen dem Kunden im digitalen Wandel und schaffen somit eine höhere Kundenbindung. Involvierte Mitarbeiter fühlen sich als Teil des Ganzen und leben auch die digitale Transformation mit. Auch Führungskräfte gehen mit gutem Beispiel voran, wenn sie von Anfang an die Ziele und die Möglichkeiten erkennen und erleben dürfen. All das erfordert ein neues Miteinander und eine Zusammenarbeit von Anfang an.

… gehen Sie doch mal einen anderen Weg

 

  1. Digital Mentoring

Wir kennen dies sicherlich alle. Die Generation „Digital Natives“ wächst heute ungezwungen mit der neuen Technik auf und nutzt diese wie selbstverständlich. Daher ist es doch auch logisch, dieses Wissen im Unternehmen zu nutzen. Verbinden Sie junge Mitarbeiter mit älteren Kollegen, so dass die neuen digitalen Angebote gelernt werden können und gleichzeitig Wissen als harmonische Symbiose geteilt wird. Denn wir wollen kein „Ok, Boomer“. Junge oder digital-affine Mitarbeiter können somit Ihren Kollegen zur Seite stehen und die neuen Produkte oder Dienstleistungen vorstellen. Dies sollte unabhängig der Hierarchie-Stufe und Abteilung ermöglicht werden. Natürlich kann die Auszubildende dem Geschäftsführer, die Kniffe und Hinweise zu digitalen Produkten erläutern. Ich bin sicher, dass beide Seite voneinander profitieren können. Mit dem gewonnenen Wissen und der gemeinsam verbrachten Zeit wächst das Gemeinschaftsgefühl im Unternehmen. Mitarbeiter und Führungskräfte, die auch die neuen Produkte nutzen, sind auch Botschafter für die Kunden. Sie präsentieren ungeniert und selbstsicher, die neuen digitalen Dienstleistungen und Produkten. Ich denke zum Beispiel an Banking-Apps der Finanzinstitute, die teilweise noch nicht so umfassend genutzt werden, wie sich einige Finanzinstitute dies vielleicht wünschen. Das hängt sicherlich auch daran, dass die Mitarbeiter, sich selbst zu wenig mit den digitalen Angeboten beschäftigen.

  1. Kunden als Tester

Wir wollen immer perfekte Angebote unterbreiten und möglichst wenige Reklamationen und Beschwerden der Kunden erhalten. Nicht nur dass Entwicklungen vorab ausgiebig getestet werden und durch einen langwierigen Change Prozess laufen, auch die Einbindung des Kunden ist erst am Ende vorgesehen. Viele wissen aber auch schon heute aus agilen Vorgehensweisen, dass dort iterative Entwicklungen mit regelmäßigen Feedback-Schleifen vorgesehen sind. Also nutzen wir doch diesen Aspekt, auch in der digitalen Transformation des Unternehmens. Sobald neue digitale Produkte oder Prozesse verfügbar sind, dann nehmen Sie doch Ihre treusten und aktiven Kunden mit ins Boot. Erklären Sie denen, die Produkte / Prozesse und fragen nach Feedback. Oder sobald neue Online-Produkte ausgerollt wurden, laden Sie die Kunden zu speziellen Vorstellungsrunden ein. Helfen Sie Ihren Kunden aktiv und nutzen Sie das Feedback und die Kundenbindung für Ihre Weiterentwicklung. Beispielhaft können neue Funktionen im Online-Banking auch mal direkt mit den Kunden in der Filiale besprochen und gezeigt werden, so dass später öfters die digitalen Angebote genutzt werden. Gleichzeitig hat man auch ein Erlebnis in der Beratung geschaffen. Die Kundenbindung steigt.

  1. Mitarbeiter zu Mit-Gestaltern machen

Sehr oft erleben wir, dass technische Neuerungen in der Zentrale entschieden wurden und dann im gesamten Unternehmen ausgerollt werden. Oder es kommt auch vor, dass die vermeintlichen Experten in den Führungsrunden, über neue Technologien und digitale Erneuerungen entscheiden. Die Fachexperten oder betroffenen Mitarbeiter werden nicht oder zu spät einbezogen. Beziehen Sie doch Ihre eigenen Experten von Anfang an in die Diskussion mit ein. Externe Berater können die internen Abläufe und deren Ausgestaltung nicht so gut kennen wie es Ihre Mitarbeiter selbst können. Frühzeitige Einbindung vermeidet kostspielige Nacharbeiten und zeitraubende Schulungen. Bedarfsgerechte Lösungen anzubieten sind das Ziel jedes Unternehmens. Den Bedarf kennt der Mitarbeiter an der Front. Machen Sie Ihre Mitarbeiter zu Mit-Gestaltern!

  1. Digitale Skills der Mitarbeiter nutzen

Die IT Experten sitzen in der IT. Die Kommunikationsexperten sitzen in der Marketing Abteilung. So werden Unternehmen aufgestellt und nach Funktionen getrennt. Unabhängig der anderen guten Gründe, dieses Silodenken aufzubrechen und eine neue Zusammenarbeit einzuführen, denken Sie doch auch mal daran, dass eventuell echte digital Nerds in anderen Abteilungen sitzen. Zuhause bauen sie NAS-Netzwerke auf oder programmieren neue Apps. Nutzen Sie deren intrinsische Motivation für die digitalen Themen und insbesondere deren Wissen für die unternehmenseigenen Entwicklungen oder Tests. Ganz nebenbei geben Sie diesen Kollegen eine Wertschätzung Ihrer Leistung und eine Bindung an das Unternehmen ohne Bonuszahlung oder Beförderung. Beim nächsten Mal suchen Sie doch mal im gesamten Unternehmen nach Experten – außerhalb der IT. Oder fragen nach Freiwilligen für das neue Projekt „Digital Transformation“. Dies kann zum Beispiel auch über eine interne Stellenausschreibung erfolgen. Ich bin sicher, dass Sie Potenziale entdecken, die Sie sich bis dahin nicht vorstellen konnten.

 

Zum Abschluss noch mein Vorschlag:

 

Hören Sie doch einfach mal zu, was Ihre Mitarbeiter zu sagen haben. Fragen Sie in die Runde, was Digitalisierung bzw. digitale Transformation für Sie bedeutet und was sie sich darunter vorstellen.

Neben den oben aufgeführten positiven Überraschungen lernen Sie Ihre Mitarbeiter besser kennen und sicher auch deren Ängste und Befürchtungen. Dies ist ein unbezahlbarer Schatz für die Zukunft des Unternehmens.